OP-Schwester

Froh über das Erreichte

Obwohl sie schon 29 Jahre alt ist, ist sie noch nie in den Urlaub gefahren. Obwohl sie eine sichere Arbeitsstelle hat, wohnt sie zusammen mit Vater und Mutter auf engen 40 Quadratmetern. Und obwohl Bhagya, um deren Leben es in dieser Geschichte geht, nach mitteleuropäischen Maßstäben wenig Freiraum für die eigene Entfaltung hat, sagt die Inderin: „Ich bin froh über das, was ich erreichen konnte. Ohne die Hilfe, die ich bekommen habe, würde es mir nicht so gut gehen.“ Bhagya besuchte 19 Jahre lang verschiedene Bildungseinrichtungen des indischen wortundtat-Partners AMG – angefangen im Kindergarten 1994 bis zum Abschluss der Krankenpflegeschule im Jahr 2013.

Bhagya erklärt, warum sie Krankenschwester werden wollte: „Ich fand es sehr spannend, mich mit naturwissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Ich wollte alles über Tiere und Pflanzen lernen und wissen, wie der menschliche Körper funktioniert.“

Bhagya erklärt, warum sie Krankenschwester werden wollte: „Ich fand es sehr spannend, mich mit naturwissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Ich wollte alles über Tiere und Pflanzen lernen und wissen, wie der menschliche Körper funktioniert.“

Seit einigen Jahren steht sie auf eigenen Füßen. Rund 280 Euro im Monat verdient sie momentan etwa als Krankenschwester in einem staatlichen Krankenhaus. Das ist zwar deutlich mehr, als das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Indien, aber es muss eben auch für drei Personen reichen: Ihr Vater, 58, kann seiner Arbeit nicht mehr nachgehen. Er ist krank und seine Gelenke sind kaputt. „Für ihn war es früher immer eine Herausforderung, uns Kinder satt zu bekommen“, sagt sie. Er verkaufte Süßigkeiten. Mit seinem Fahrrad besorgte er die Ware morgens beim „Großhändler“. Dann fuhr er so rasch er konnte zu Straßenhändlern im Ort, um sie dort weiter zu verkaufen. „Aber die anderen Lieferanten hatten Motorräder. Sie waren immer schneller. So verdiente er meistens nicht genug Geld für uns alle. Wir Kinder wurden zwar satt, aber nur, weil unsere Eltern nicht viel aßen. Geld für drei Mahlzeiten zu verdienen war kaum möglich“, erinnert sich Bhagya.

26 Euro Rente im Monat

Auch Bhagyas Mutter, 54, hat keine Möglichkeit, etwas dazu zu verdienen. Sie hatte nie eine Schule besucht, war immer für den Haushalt verantwortlich. Und eine staatliche Altersversorgung gibt es für Bhagyas Eltern erst ab deren 60. Lebensjahr. „Dann bekommt jeder von ihnen knapp 26 Euro im Monat. Ich werde ihnen also auch in Zukunft helfen“, sagt sie.

Als Kind lebte Bhagya mit ihren Eltern in einer Hütte, die mit Stroh gedeckt war. Heute kann sie von ihrem Einkommen eine Wohnung für sich und ihre Eltern finanzieren.

Als Kind lebte Bhagya mit ihren Eltern in einer Hütte, die mit Stroh gedeckt war. Heute kann sie von ihrem Einkommen eine Wohnung für sich und ihre Eltern finanzieren.

Baghya hat zwei ältere Schwestern. Beide sind verheiratet, haben Kinder und kümmern sich um den Haushalt ihrer Familien. In Indien ist es vielerorts noch Brauch, dass Frauen nach der Heirat für die Familie des Ehemannes mitsorgen müssen, während die eigenen Eltern im Alter Hilfe von den Söhnen erhalten. Wenn, wie in Bhagyas Fall, kein Sohn da ist, ist die nicht verheiratete Tochter verantwortlich. Für Bhagya steht es außer Frage, ihren Eltern zu helfen. „Ich hoffe, dass ich mich in den kommenden Jahren gut um meine Eltern kümmern kann. Ich möchte, dass sie sich etwas entspannen können und nicht mehr so hart arbeiten müssen“, sagt sie.

Sparen für die Mitgift

Natürlich möchte auch sie gern einen Partner fürs Leben finden. Deshalb legt sie immer etwas Geld für ihre Mitgift zur Seite. „Ich heirate aber erst, wenn ich einen Mann finde, der Verständnis dafür hat, dass ich für meine Eltern da sein möchte“, sagt sie.

 

Mit Ihrer Spende für unsere Schulen in Indien können Sie Menschen wie den Eltern von Bhagya helfen, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung erhalten.

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