OP-Schwester

Froh über das Erreichte

Bhagya ist eine bescheidene und genügsame Frau: Sie ist noch nie in den Urlaub gefahren, wohnt mit Vater und Mutter auf 40 Quadratmetern und sorgt ohne zu klagen für ihre Eltern. Und so nimmt man es ihr ab, wenn sie sagt: „Ich bin froh über das, was ich erreichen konnte. Ohne die Hilfe, die ich bekommen habe, würde es mir nicht so gut gehen.“ wortundtat konnte ihr helfen, so weit zu kommen. Bhagya besuchte 19 Jahre lang verschiedene Bildungseinrichtungen unseres indischen Partners AMG – angefangen im Kindergarten 1994 bis zum Abschluss der Krankenpflegeschule im Jahr 2013. Seit einigen Jahren steht sie auf eigenen Füßen.

Bhagya erklärt, warum sie Krankenschwester werden wollte: „Ich fand es sehr spannend, mich mit naturwissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Ich wollte alles über Tiere und Pflanzen lernen und wissen, wie der menschliche Körper funktioniert.“

Bhagya erklärt, warum sie Krankenschwester werden wollte: „Ich fand es sehr spannend, mich mit naturwissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Ich wollte alles über Tiere und Pflanzen lernen und wissen, wie der menschliche Körper funktioniert.“

Dank der Ausbildung hat sie schnell Karriere machen können: Von der Krankenschwester in einem AMG-Krankenhaus zur Krankenpflege-Lehrerin und schließlich zur OP-Schwester in einem staatlichen Krankenhaus. Diese Stelle wird gut bezahlt und bietet einige zusätzliche Vorteile, die es an privaten Kliniken nicht gibt. Momentan verdient sie deutlich mehr, als das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Indien, kann daher sich und ihre Eltern versorgen.

Rente der Eltern entlastet die Haushaltskasse

Ihr Vater kann nämlich seiner Arbeit seit einiger Zeit nicht mehr nachgehen. Er ist krank und seine Gelenke sind kaputt. „Für ihn war es früher immer eine Herausforderung, uns Kinder satt zu bekommen“, sagt Bhagya. Er verkaufte Süßigkeiten. Mit seinem Fahrrad besorgte er die Ware morgens beim „Großhändler“. Dann fuhr er so rasch er konnte zu Straßenhändlern im Ort, um sie dort weiter zu verkaufen. „Aber die anderen Lieferanten hatten Motorräder. Sie waren immer schneller. So verdiente er meistens nicht genug Geld für uns alle. Wir Kinder wurden zwar satt, aber nur, weil unsere Eltern nicht viel aßen. Geld für drei Mahlzeiten zu verdienen war kaum möglich“, erinnert sich Bhagya.

Auch ihre Mutter hat keine Möglichkeit, etwas dazu zu verdienen. Sie hatte nie eine Schule besucht, war immer für den Haushalt verantwortlich. Immerhin: Bald erhalten ihre Eltern eine staatliche Altersversorgung. Dann wird Bhagyas Haushaltskasse etwas besser gefüllt sein.

Partner fürs Leben

Für Mitteleuropäer ungewöhnlich ist der in Indien noch stark verbreitete Brauch, der dazu führt, dass Bhagya die Eltern allein versorgt, obwohl sie zwei Schwestern hat. Beide sind verheiratet, haben Kinder und kümmern sich um den Haushalt ihrer neuen Familien. Nach der Heirat sind sie diesem Brauch nach für die Familie des Ehemannes mitverantwortlich. Für Bhagya steht es dennoch außer Frage, den Eltern zu helfen. „Ich hoffe, dass ich mich in den kommenden Jahren gut um meine Eltern kümmern kann. Ich möchte, dass sie sich etwas entspannen können und nicht mehr so hart arbeiten müssen“, sagt sie in ihrer bescheidenen Art. Natürlich möchte sie auch gern einen Partner fürs Leben finden. „Ich heirate aber erst, wenn ich einen Mann finde, der Verständnis dafür hat, dass ich für meine Eltern da sein möchte“, sagt sie.

Als Kind lebte Bhagya mit ihren Eltern in einer mit Stroh bedeckten Hütte. Heute kann sie von ihrem Einkommen eine kleine Wohnung für sich und ihre Eltern finanzieren.

Als Kind lebte Bhagya mit ihren Eltern in einer mit Stroh bedeckten Hütte. Heute kann sie von ihrem Einkommen eine kleine Wohnung für sich und ihre Eltern finanzieren.

Wir wollten nicht wegschauen

„Wir sehen immer wieder Ungewohntes, wenn wir mit unseren mitteleuropäischen Augen auf andere Kulturen schauen“, sagt Jakob Adolf, wortundtat-Projektkoordinator. Natürlich dürfe man sich fragen, warum in Indien alte Bräuche das Leben der Menschen bestimmen oder warum der Staat scheinbar wenig eingreife.

Als christliches Hilfswerk schaue wortundtat jedoch aus einem anderen Blickwinkel: „Als Bhagya klein war, litten ihre Eltern Not. Diese Not haben wir wahrgenommen. Natürlich hätten wir sagen können: ‚Das geht uns nichts an. Sollen das die Inder regeln.‘ Aber als Christen wollen wir nicht wegschauen. So erhielt das Mädchen eine Schulbildung, als Erwachsene eine Arbeit. Und jetzt kann sie selbstständig für sich und ihre Eltern sorgen, statt mit ihnen zusammen auf der Straße betteln zu müssen. Unserer Überzeugung nach hat der Einsatz gelohnt.“

 

 

Sie können helfen

Mit Ihrer Spende für unsere Schulen in Indien können Sie Menschen wie den Eltern von Bhagya helfen, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung erhalten.

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