Diesel-Mechaniker

Indien, Mann mit Werkzeug in der Ausbildung

Ein Traum ist wahr geworden

Pathan Noors heutige Lebenssituation klingt unspektakulär: Er ist verheiratet, hat zwei Kinder – zehn und sieben Jahre alt. Zusammen leben die vier im eigenen kleinen Haus, mit Fernseher, Waschmaschine, fließendem Wasser und natürlich einem kleinen Badezimmer. Er hat ein Motorrad für die Familie. Und wenn seine Frau Lebensmittel kauft, reicht das Geld, um nicht nur das billigste Essen zu besorgen, sondern gelegentlich auch das, worüber sich die Kinder freuen. Sein Wunsch für die Zukunft: „Ich möchte in meinem Beruf erfolgreich sein, Karriere im Unternehmen machen und dann eine eigene Autowerkstatt einrichten, in der ich Mitarbeiter beschäftigen kann.“

Aus bitterarmen Verhältnissen

Das liest sich, als würde man von einem Normalverdiener in Mitteleuropa sprechen. Doch als Kind lebte Pathan Noor in bitterarmen Verhältnissen. Sein Vater war Tagelöhner. Es war bei Weitem nicht immer genug Geld da. In ihrer Hütte hatten sie ein Bett für die ganze Familie, kein Bad, kein fließendes Wasser und natürlich auch keine Waschmaschine. Erst recht keinen Fernseher.

Die kostenfreie Berufsausbildung am Industrial Training Center des wortundtat-Partners AMG erwies sich für Pathan und seine Familie als Schlüssel zu einer besseren Zukunft.

Die kostenfreie Berufsausbildung am Industrial Training Center des wortundtat-Partners AMG erwies sich für Pathan und seine Familie als Schlüssel zu einer besseren Zukunft.

Abends mussten wir auch schon mal hungrig ins Bett

Der erste Schritt auf dem Weg in eine sicherere Zukunft waren zehn Jahre Schulbildung. Irgendwie schafften es seine Eltern, ihm nach den acht Jahren kostenloser Staatsschule, noch zwei weitere Jahre Bildung an einer privaten Schule zu ermöglichen. Viele Familien verschulden sich dafür, weil sie wissen: Bildung ist der Schlüssel für den Weg aus der Armut. Aber nicht immer reichen die zehn Jahre, wie sich Pathan erinnert: „Ich bekam nach dem Schulabschluss lediglich eine Stelle als Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft. 150 indische Rupien verdiente ich am Tag: “Umgerechnet sind das knapp 1,90 Euro. Ein kleiner Beitrag zum Einkommen der Eltern. Die kamen zusammen immerhin auf etwa 350 Rupien am Tag (4,40 Euro) – wenn sie jemanden fanden, der ihnen Arbeit gab. Am nächsten Tag konnte es auch geschehen, dass es nichts zu tun gab. „Dann mussten meine Schwester, die Eltern und ich abends auch schon mal hungrig ins Bett“, sagt er.

Erst im Alter von 24 Jahren kam die nächste entscheidende Weichenstellung in seinem Leben. Freunde berichteten ihm vom Ausbildungszentrum des indischen wortundtat-Partners. Am Industrial Training Center (ITC) können junge Menschen in ein- und zweijährigen Kursen verschiedene Berufe erlernen. „Ich habe mich für die Ausbildung als Mechaniker interessiert. Die Arbeit macht Spaß und die Aussichten, einen Job zu bekommen, sind gut“, erklärt Pathan seine Berufsfachwahl. Was den entscheidenden Unterschied machte: Eine Berufsausbildung, für die Inder sonst bezahlen müssen, können junge Leute aus armen Familien im ITC ohne eigenen Gebührenanteil absolvieren. Pathan bekam nach seiner Bewerbung eine Stelle als Mechaniker für Dieselmotoren.

Mit 25 Jahren endlich gute Berufsperspektiven

Für die Verhältnisse, aus denen Pathan kam, hatte er mit 25 Jahren im indischen Vergleich eine recht gute Perspektive. Und er hatte am ITC auch gelernt, die Not von Menschen zu sehen, die aus ähnlich schwierigen Lebensverhältnissen kommen, wie er selbst. Immer wieder beteiligte er sich an Verteilaktionen auf dem Campus des Ausbildungszentrums: Blinde, Leprakranke, Aids-Waisen und andere Bedürftige erhielten dort regelmäßig Lebensmittelrationen, Kleidung oder andere Unterstützung. „Das hat mich sehr inspiriert. Ich habe mich gern daran beteiligt“, sagt er heute rückblickend.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Und trotz der Ausbildung dauerte es noch einmal fünf Jahre, bis er einen sicheren Arbeitsplatz hatte. Erst sammelte er Berufserfahrung in einer kleinen privaten Werkstatt – ebenfalls immer mit der Perspektive, vielleicht am nächsten Tag auf der Straße zu stehen. Also schrieb er immer wieder Bewerbungen – etwas, was er ebenfalls am ITC gelernt hatte. Und 2011 kam endlich eine Stellenzusage, die ihm für die Zukunft ausreichend finanzielle Sicherheit bietet: „Seitdem arbeite ich beim staatlichen Busunternehmen APSRTC. Heute verdiene ich rund 30.000 Rupien im Monat (knapp 380 Euro) und kann damit auch meine Eltern unterstützen.“ Mit nunmehr 38 Jahren ist er leitender Mechaniker in der Werkstatt. Er lernt andere, jüngere Mitarbeiter an und blickt optimistisch in die Zukunft. „Ich habe genug zu essen für meine Familie und mich. Besonders großartig ist es, keine Schulden zu haben. Ich kann mich auch um meine Eltern kümmern. Mit all dem habe ich lange nicht gerechnet. Für mich ist ein Traum wahr geworden“, sagt er voller Begeisterung.