Ein halbes Leben

Junge Frau mit Kindergruppe

„Ich liebe diesen Ort“

Ihr halbes Leben ist Luda schon regelmäßiger Gast in unserer Kindertagesstätte Pearl in Moldawien. Im Dezember 2019 feiert sie ihren 14. Geburtstag. 2012 kam sie erstmals in die Einrichtung. Seit einiger Zeit hilft sie gelegentlich selbst mit, weil sie intelligent und vernünftig ist, wie Elizabeth Smolina, die Leiterin der Einrichtung, berichtet. Luda gab uns einige Einblicke in das Leben eines Kindes in Moldawien.

In der Schule

Mit Elizabeth Smolina, der KiTA-Leiterin, hat Luda viel Englisch lernen können.

In meiner Klasse sind 35 Kinder. Ich gehöre mit fünf oder sechs anderen zu den guten Schülern. Wir haben genug Lehrer und Lernmaterial. Wegen der großen Klasse ist es oft sehr laut in der Schule. Da ist das Lernen schwierig. Mein Lieblingsfach ist Englisch. Ich mag den Lehrer. Und Sport mache ich auch gern – jeden Sport.

Die Schule ist ein sehr altes Gebäude, das dringend Reparaturen braucht. Immerhin wurde im Sommer in einigen Klassenräumen der Fußboden gestrichen. Die Sporthalle ist sehr verfallen und im Winter eiskalt. Draußen können wir keinen Sport machen. Da ist überall nur Sand. In einigen Klassenzimmern gibt es Computer.

An der Schule vermisse ich nette Menschen. Die Atmosphäre ist nicht so toll zum Lernen. Zwei Jahre gehe ich noch hin. Nach der neunten Klasse höre ich auf. Dann möchte ich gut Englisch lernen, Dolmetscherin werden und reisen.

Beim gemeinsamen Tanzen macht Luda den kleineren Kindern die Bewegungen vor.

Zuhause

Wir wohnen zu viert in einem kleinen Haus: mein Bruder, mein Vater, meine Großmutter und ich. Ich teile mir ein Zimmer mit meiner Großmutter. Alle Kleidung, die ich habe, habe ich von Pearl oder von anderen Leuten bekommen. Wir kriegen einmal im Monat ein Paket mit Lebensmitteln von Pearl. Mein Vater arbeitet sehr hart und ist viel unterwegs. So sehe ich ihn nicht oft. Aber er versucht sein Bestes und liebt uns sehr. Er möchte, dass wir mehr als genug haben. Aber das Geld, dass er verdient, reicht nicht.

Zum Spielen habe ich ein Mobiltelefon. Und mein Vater hat einen Computer von einem Freund bekommen. Auf dem können wir auch spielen. Taschengeld bekomme ich nicht. Seit einiger Zeit lerne ich in Pearl Klavier zu spielen. Das ist ein Herzenswunsch, weil ich dort in der Band mitmachen möchte und weil es mir Spaß macht. Meine anderen Hobbies sind Filme schauen, Singen und mit Freundinnen spazieren gehen.

In der Kindertagesstätte Pearl

Wenn Luda Snacks verteilt, sind alle Kinder ganz schnell zur Stelle.

Mit sieben kam ich das erste Mal nach Pearl. Elizabeth kam in die Schule und nahm mich mit dorthin. In den ersten Wochen habe ich viel Neues gelernt. Es gefiel mir dort sehr gut und es gefällt mir immer noch. Ich mag es, dass mich alle so annehmen, wie ich bin. Ich mochte es, zuzuhören oder zu spielen oder Fragen zu stellen, wenn ich etwas nicht verstand. Es gab und gibt nichts Vergleichbares in unsere Stadt. Heute mag ich es besonders, wenn sich alle Kinder treffen, um gemeinsam Lieder zu singen, in denen es um Jesus und den Glauben geht.

Im vergangenen Jahr habe ich angefangen mitzuarbeiten, weil ich diesen Ort liebe und die Kinder mag, die nach Pearl kommen. Ich möchte ihnen Englisch beibringen und mit ihnen über biblische Geschichten sprechen – so wie ich es auch erlebt habe. Ich helfe nicht nur den jüngeren Kindern beim Lernen. Ich selbst lerne auch jeden Tag etwas Neues.

Es ist natürlich nicht immer einfach mit den jüngeren Kindern. Manchmal machen sie Blödsinn und dann muss ich streng sein, damit sie wieder hören. Aber das geht schon, denn alle möchten am Ende der Stunde Bonbons bekommen.