Wort und Tat


Tansania

KIUMA - ein Projekt im unterentwickelten Süden Tansanias

1995 kehrte der Arzt Dr. Matomora KS Matomora der Sicherheit einer Anstellung an der Universität Heidelberg den Rücken. Er brach in seine tansanische Heimat Matemanga im Tunduru Distrikt auf, im Gepäck ein „Public Health“-Konzept für diese rückständige Region. Das Ziel: öffentliche und gesellschaftliche Strukturen schaffen, die eine gesunde Entwicklung der dortigen Bevölkerung ermöglichen – eine große Aufgabe in dem etwa 100 Kilometer langen Streifen karger Buschlandschaft.

Die rund 300.000 dort lebenden Menschen fühlten sich bei Dr. Matomoras Eintreffen im wahrsten Sinne des Wortes von Gott und der Welt verlassen. Die Gegend gehörte zu den ärmsten des Landes und ist selbst in der Trockenzeit nur mit Mühe über die unbefestigte Hauptstraße des Südens erreichbar. Die Einheimischen lebten als Kleinbauern von den Erträgen des kargen Bodens. Hunger war – je nach Jahreszeit und Verlauf der Regenzeit – ein bekannter Gast, die medizinische Versorgung nur von einer schlecht ausgestatteten Gesundheitsstation mehr schlecht als recht getragen. Während sich in den 90er Jahren andere Gebiete Tansanias entwicketen, verschlechterte sich die Situation im Tunduru-Distrikt zusehends.

Mit Unterstützung von wortundtat startete Dr. Matomora 1996 das Projekt KIUMA, die Abkürzung für Kanisa la Upendo wa Kristo Masihi (auf Deutsch: Kirche der Liebe Christi). Seitdem hat sich vieles verändert. Die Menschen haben wieder Hoffnung gefasst und es ist Freude in die Hütten eingekehrt – einerseits durch die Verkündung des Evangeliums, andererseits durch konkrete Hilfsprojekte, vorwiegend in den unten genannten Aufgabenbereichen. Mehr und mehr gelingt es den Menschen, dank der Unterstützung von Dr. Matomora und wortundtat wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Ein Überblick:

Schul- und Berufsausbildung

  • Sekundarschule
  • zweijährige Ausbildungskurse in Handwerkerschulen
  • Krankenpflegeschule

Medizinische Hilfe

  • Kliniik mit 70 Betten für die Grundversorgung

Landwirtschaftszentrum

  • Laden für landwirtschaftlichen Bedarf
  • Trainingskurse für Bauern

Ein Rückblick auf das Jahr 2008

Ausbau der Schule

Die „KIUMA-Sekundarschule BONITA“ hat einen weiteren Schritt gemacht. Sie wurde im vergangenen Jahr offiziell als Highschool registriert. Nun können Schüler und Schülerinnen nach den ersten vier Schuljahren auch in der Oberstufe unterrichtet werden.

Berufs- und Lehrerausbildung

Im Juni 2008 wurde im Beisein des tansanischen Erziehungsministers Jumanne Maghembe das neue Handwerks-Zentrum eingeweiht. Dort stehen nun Maschinen zum Bohren, Sägen, Schleifen, Fräsen, Hobeln, Schweißen und Drehen. Besonders stolz ist man auf die Schleif- und Schärfwerkstatt für Sägeblätter, Fräsen und andere Werkzeuge. Auch die Bewohner des Umlandes können nun ihre Werkzeuge in KIUMA wieder herrichten lassen. Das Handwerker-Zentrum ermöglicht außerdem den Besten nach bestandener Abschlussprüfung eine weiterführende Ausbildung an den Maschinen.

Im Juni 2008 wurde auch der Grundstein für das Ruth Deichmann Teachers Training College gelegt. Es ist benannt nach der 2007 verstorbenen Frau des wortundtat-Gründers Dr. Heinz-Horst Deichmann. Die tansanische Regierung beteiligt sich u. a. mit dem Bau einiger Gebäude und stellt Baumaterial zur Verfügung. Das Projekt hat große Bedeutung für die Gegend, da Lehrer in Tansania Mangelware sind, erst recht in einem so entlegenen und isolierten Distrikt wie Tunduru: Lehrkräfte ziehen den gut entwickelten Norden des Landes dem unterentwickelten Süden vor. Mit dem Teachers Training College verschafft KIUMA den Menschen des Tunduru-Distrikts außerdem die Chance auf eine gehobene Ausbildung.

Geistliches Leben

Seit über zehn Jahren pflegt KIUMA den Kontakt zu den umliegenden christlichen Gemeinden. Die Mitarbeiter bieten, Hilfe in Wort und Tat an. Die Menschen in Matemanga haben inzwischen Vertrauen gefasst und nehmen diese Hilfe zur Selbsthilfe dankbar an. Sie öffnen sich mehr und mehr für das Evangelium, das ihnen durch KIUMA vorgelebt und nahegebracht wird. Viele Menschen haben sich öffentlich taufen lassen und sind Christen geworden. In den letzten zwei Jahren sind in den Dörfern im Arbeitsgebiet von KIUMA über 30 neue kleine Gemeinden entstanden.

Neuland

80 % der Einwohner von Tunduru gehören der Volkgruppe der Wayao an. Sie sind streng moslemisch. Leider haben sich die Menschen dieser Volksgruppe bis heute kaum an Regierungsaufgaben in Tansania beteiligt, da sie Bildung und Fortschritt äußerst kritisch gegenüberstehen – ein Grund dafür, dass der Tunduru-Distrikt so unterentwickelt ist. Die traditionellen Autoritäten und Führer der Wayao, die Sultane, wollen jedoch nun die Lebensbedingungen der Menschen, für die sie verantwortlich sind, verbessern. Sie besuchten im September 2006 KIUMA, um sich einen Eindruck von dem Projekt in ihrer direkten Nachbarschaft zu verschaffen, von dem sie so viel Gutes gehört hatten. Im Juni 2008 luden sie die Männer ein, die hinter der erfolgreichen und segensreichen Arbeit stecken: Dr. Heinz-Horst Deichmann und Dr. Matomora kamen nach Kidodoma, dem Sitz des wichtigsten Sultans. Damit öffneten sie die Türen für KIUMA in ganz Tunduru. Denn sie forderten ihre Bewohner auf, die Bildungs- und Hilfsangebote von KIUMA anzunehmen und zu nutzen, selbst wenn es sich hierbei um ein christliches Missionsprojekt handle. Religion sei eine persönliche Angelegenheit und kein Hinderungsgrund für den Fortschritt in der Region, so die Sultane. Sie forderten die Wayao auf, das ihnen von KIUMA angebotene Bildungsangebot zu nutzen und ihre Kinder in KIUMA ausbilden zu lassen.