Wort und Tat

Tansaniareise 2010

Stellvertretende wortundtat-Vorsitzende besucht KIUMA-Projekt in Tansania

Fünf Tage – vom 30. April bis 4. Mai – besucht Susanna Deichmann, stellvertretende wortundtat-Vorsitzende, erstmals das KIUMA-Projekt in Tansania. In den kommenden Tagen schildert sie hier in Wort und Bild ihre Eindrücke von dem Besuch.

Montag, 3. Mai 2010

„Die Grundsteinlegung, die wir heute hier feiern, ist von besonderer Bedeutung – denn es geht nicht nur um den Grundstein für ein Gebäude, sondern auch um die Basis für einen wichtigen Entwicklungsschritt, den der Tunduru-Distrikt mit diesem Gebäude machen kann“, sagte Susanna Deichmann am heutigen Morgen bei einem Treffen mit Catherine Ishengoma, Ministerpräsidentin des Bundeslandes, in dem der Tunduru-Distrikt liegt. Gemeinsam enthüllten sie eine Grundsteintafel am zukünftigen Wohntrakt für Frauen des Lehrer-Ausbildungszentrums. Der gut zweistündige Auftritt dort war Ishengoma offenbar so wichtig, dass sie dafür rund acht Stunden Fahrtzeit auf der holprigen Buckelpiste von Songea nach KIUMA und zurück in Kauf genommen hatte. An die Schülerinnen der KIUMA Sekundarschule gerichtet, sagte Susanna Deichmann: „Wenn ihr hier lernt und den Abschluss macht, könnt ihr wesentlich mithelfen, das Land zu verändern und zu entwickeln. Und mit eurem Engagement könnt ihr eure Nachfolgerinnen an der Schule motivieren, sich ebenfalls an dieser Entwicklung zu beteiligen.“
Weibliche Lehrkräfte sind bisher nämlich die Ausnahme: An der KIUMA Sekundarschule BONITA sind von den 38 Lehrern lediglich acht Frauen. Schon den Schulabschluss, der zum Besuch der Abiturklassen berechtigt, schaffen nur wenige Mädchen. Noch weniger bestehen die Abiturprüfungen. Schlecht sind auch die übrigen Zahlen, die das Bildungssystem im Regierungsbezirk Tunduru beschreiben: Die Region, in der ungefähr 300.000 Menschen leben, benötigt eigentlich 600 Lehrer in 28 Schulen, es sind derzeit jedoch nur ungefähr 100 ausgebildete Kräfte in 14 Bildungseinrichtungen beschäftigt. Und weil kaum jemand in dem zurückgebliebenen Landstrich leben oder arbeiten möchte, stehen fünf der elf schlechtesten Schulen ganz Tansanias im Tunduru-Distrikt. Gute Berufsaussichten also für die Absolventen des Lehrer-Ausbildungszentrums.
Mit diesem Eintrag endet das Tagebuch der Tansaniareise von Susanna Deichmann. Die Reise selbst geht noch einen Tag weiter, jedoch besteht am Dienstag, 4. Mai 2010, keine Möglichkeit, einen Eintrag vorzunehmen. Tansania ist noch weit von einer flächendeckenden Versorgung mit Internet entfernt.
Schwerpunktinformationen über die Arbeit in KIUMA erfahren Sie in Ausgabe 3/2010 des wortundtat-Magazins, das im Sommer erscheint. Das kommende Magazin können Sie ab Ende Mai kostenlos beziehen: Senden Sie dafür bitte eine E-Mail mit Ihren Kontaktdaten an info@wortundtat.de.

Sonntag, 2. Mai 2010

Gottesdienst in KIUMA – wer dabei an eine Feier denkt, wie er sie aus seiner Heimatgemeinde in Deutschland kennt, liegt wahrscheinlich ziemlich weit daneben. Es sei denn, es geht dort so zu: Offizieller Beginn ist um halb zehn, aber das ist nur der Startschuss für die Musikgruppe, mit seinem Gesang zu beginnen. Die ersten Besucher kommen ein paar Minuten später. Eine Glocke läutet gegen 9.45 Uhr. Dann füllen sich die vordersten Bänke langsam: Rechts an der Seite sitzen die Ehrengäste, daneben die Kinder für den Kindergottesdienst, links der Chor. Auf den etwa zwanzig Bänken dahinter rutschen nach und nach Schülerinnen und Schüler zusammen, rechts Mädchen, links Jungen. Die letzten Nachzügler, die etwa um 11 Uhr eintrudeln, steigen auf die Empore – an die neunhundert Menschen sind nun in der Kirche. Da singt und tanzt schon der dritte Chor und ein Großteil der Gottesdienstbesucher singt und tanzt mit. Dann wird noch einmal eine gute halbe Stunde weitergesungen. Ein vierter Chor tritt auf. Dann kommt man langsam zur Predigt.
Die dauert heute ein bisschen länger, weil Stefan Trapp spricht, ein deutscher Pastor, der Susanna Deichmann begleitet. Die Auslegung muss übersetzt werden. Danach ist der Gottesdienst bald zu Ende. Es ist mittlerweile 12.15 Uhr. Am Ausgang bildet sich eine lange Reihe: Wer aus der Kirche kommt, reicht denen in der Reihe die Hand zum Gruß und stellt sich hinten an. „Jambo“, „Karibu“, „Hello“, „Good morning“ – so werden viele Hände geschüttelt, sicher eine weitere Viertelstunde lang. So geht es beim Gottesdienst in KIUMA zu.
„Ich bin froh, dankbar und beeindruckt, dass ich sehen kann, wie ihr lebt, lernt und arbeitet. Mit besonderer Freude aber erfüllt es mich, Gottesdienst mit Euch feiern zu können. Die Hingabe und Begeisterung, mit der ihr den Herrn lobt und preist für sein Werk, sind wirklich ansteckend“, sagt Susanna Deichmann den Lehrern, Schülerinnen und Schülern, die gemeinsam mit ihr den Gottesdienst besuchen.

Samstag, 1. Mai 2010

Kidodoma ist ein kleiner Ort in der Nähe der so genannten Hauptstraße des Südens. Die Staubpiste ist auch mit einem Geländefahrzeug nur schwer befahrbar. Bei Regen verwandelt sie sich in eine rutschige, gefährliche Strecke. Etwa 2.500 Menschen leben in Kidodoma, unter ihnen ein Sultan, der zwar nicht als staatliche aber als hohe gesellschaftliche Autorität gilt. Die Menschen hören auf das, was der Sultan sagt. Umso erfreulicher war, was er beim Besuch Susanna Deichmanns und ihrer Begleiter äußerte: „Was der KIUMA-Direktor Matomora, bisher hier am Ort und in KIUMA selbst gemacht hat – die Handwerkerschule, die Wasserpumpen und das ganze Projekt von wortundtat – ist gut. Die Christen sind hier alle sehr herzlich willkommen.“
Das war nicht immer so. In der Vergangenheit hatten die Wayao, so nennt sich der Volksstamm, dem der Sultan vorsteht, jeden Fortschritt und jede Veränderung vom Tunduru-Distrikt ferngehalten. Und weil die Menschen dort zum weit überwiegenden Teil moslemisch sind, waren die Vorbehalte gegen die Christen von KIUMA besonders groß. Erst im vergangenen Jahr hatte wortundtat in dem Dorf eine Handwerkerschule und einen Raum für die kleine christliche Gemeinde aufbauen können, die sich in Kidodoma gebildet hatte. Susanna Deichmann begrüßte die Menschen, die sich dort dicht zusammengedrängt hatten, um den christlichen Besuch aus Deutschland und den moslemischen Sultan an einem Tisch sitzen zu sehen. „Das große Interesse der Menschen zeigt, wie sie sich über die Möglichkeiten freuen, die sich durch die Arbeit von wortundtat eröffnen. Diese neue Offenheit ist bemerkenswert,“ sagte sie im Anschluss zu dem Besuch.

Freitag, 30. April 2010

Aus der Drei-Millionen-Stadt Dar es salaam flog Susanna Deichmann von der Küste tief in den dünn besiedelten Süden des Landes zum KIUMA-Projekt. Schüler, Lehrer und Bürger aus der Umgebung bereiteten ihr am Rollfeld einen herzlichen Empfang. Bei einem etwa dreistündigen Rundgang über einen kleinen Teil des rund 600 Hektar großen Geländes verschaffte sich die stellvertretende wortundtat-Vorsitzende einen ersten Eindruck von den Aktivitäten auf dem Areal, dessen Aufbau 1996 begonnen wurde. Mittlerweile werden dort rund 1.000 Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende für verschiedene handwerkliche und medizinische Berufe ausgebildet.
Dr. Matomora Matomora, Projektleiter in KIUMA, berichtete ausführlich über die Entwicklungsschritte, die das Projekt in den vergangenen 14 Jahren durchlaufen hat und gab Einblicke in bevorstehende Aufgaben. Susanna Deichmann zeigte sich beeindruckt von der Vielseitigkeit und dem Ausmaß der Arbeit: „Ich habe schon viele Erzählungen über KIUMA gehört und viele Bilder gesehen. Dass es so groß ist, so viele Menschen erreicht werden und dass die ganze Umgebung des Projekts so stark davon profitiert, hatte ich nicht erwartet.“
Am Samstag wird ein benachbartes Dorf besucht, in dem unter anderem mehrere Pumpen installiert wurden, um die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser zu erleichtern.