Wort und Tat

... vom Arbeiten

Wirtschaftsmacht ohne Strahlkraft

Mit über 7 % Wachstum war Indien im Haushaltsjahr 2009/2010 die nach China am stärksten wachsende Volkswirtschaft. Experten erwarten, dass Indien spätestens zur Mitte des 21. Jahrhunderts mit seinem Bruttoinlandsprodukt nach China und den USA im weltweiten Vergleich der Wirtschaftsmächte an dritter Stelle liegt. Aber diese Zahlen täuschen: Trotz der rasanten Entwicklung der vergangenen Jahre bleiben die meisten Bewohner des Landes bitterarm und das Land belegte 2010 lediglich Platz 119 von 169 auf dem sogenannten Human Development Index* der Vereinten Nationen (Deutschland: Platz 10).

Obwohl über die Hälfte der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeitet, beträgt deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt unter 15 %. Viele der Kleinbauern leben am Rand oder unterhalb des Existenzminimums. Nur 8 % der Beschäftigten haben einen richtigen Arbeitsvertrag, der ihnen Versicherungsschutz bei Krankheit oder Arbeitsunfällen bietet. Und was die beruflichen Qualifikationen angeht, liegt ebenfalls viel im Argen: Nur einer von 20 Erwerbstätigen hat eine Berufsausbildung und obwohl jedes Jahr etwa 13 Millionen junge Menschen auf den Arbeitsmarkt strömen, stehen nur 2,5 Millionen Ausbildungsplätze zur Verfügung – riesige Aufgaben erwarten die kommenden indischen Regierungen. (Quelle und weiterführende Informationen: Auswärtiges Amt

* Der HDI berücksichtigt neben dem Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner eines Landes auch die Lebenserwartung und den Bildungsgrad der Bevölkerung. Er wird von den Vereinten Nationen berechnet.