Straßenkind

 

 

So nah und doch so fern – Ravi Teja schafft den Sprung vom Slum zur Universität

Ravi Tejas Geburtsort in einem indischen Slum ist nur fünf Kilometer entfernt vom Siddhartha College in der Großstadt Vijayawada. Kulturell überwandt der Medizin-Student allerdings Welten. Der wortundtat-Partner AMG India gab ihm diese Chance durch sein Bildungsangebot für Straßenkinder.

Von ihnen gibt es im indischen Andhra Pradesh viele –  und ihre Geschichten beginnen oft ähnlich wie die des heute 18-Jährigen. Ravi erinnert sich gut: „Mein Vater war Rikschafahrer und meine Mutter Lastenträgerin. Meine ersten Lebensjahre verbrachte ich mit ihnen in einer strohgedeckten Hütte ohne fließend Wasser.“ Wenige Jahre später verliert er Heim und Eltern, als der Vater die Familie verlässt. Angehörige verpflichten den gerade einmal sechs Jahre alten Jungen daraufhin zur Arbeit und schicken ihn auf eine Baustelle im über 70 Kilometer entfernten Chilakaluripet.

Leid und segenreiche Wendung

Ravis Leben nimmt eine überraschende Wende, als ihn auf jener Baustelle ein Verwaltungsinspektor beim Schuften sieht und aufgreift. Ravi hat den Tag noch genau vor Augen: „Mr. Srinivas fragte mich, was ich hier tue. Da bekam ich furchtbare Angst. Wenn ich meinen Chef verriet, würde er mich schlagen.“ Die Sorge ist so groß, dass der Junge sich umbringen will. Zum Glück erkennt der Inspektor Ravis Not und kontaktiert die Hilfsorganisation AMG. Die nimmt den verängstigen Jungen in ihrem Straßenkinder-Projekt in Vijayawada auf.

Ravi ist ein aufmerksamer Student. Und ebenso aufmerksam ist er beim Erspüren der Nöte Anderer.

Ravi ist ein aufmerksamer Student. Und ebenso aufmerksam ist er beim Erspüren der Nöte Anderer.

Mit gemischten Gefühlen erlebt Ravi die ersten Tage in der Anlaufstelle für unterversorgte Jungen und junge Männer. Dann aber erkennt er langsam, dass die Betreuer von AMG ihm freundlich gesonnen sind. Doch erst als sie ihm anbieten, die dortige AMG School zu besuchen, keimt in ihm erstmals ein Glücksgefühl auf. Ravi nutzt die Chance, absolviert die Mittelstufe und macht 2015 am AMG Junior College in Chilakaluripet seinen Abschluss.

Das College-Zertifikat, ähnlich dem mitteleuropäischen Abitur, ist die Eintrittskarte zur Universität. Aufmerksam und voller Interesse verfolgt er heute das Studium der Gesundheitswirtschaft. Von AMG lernte er – wie er selbst sagt – allerdings noch mehr: „Ich weiß, was es heißt, in eigener höchster Not Hilfe zu erhalten. Die Nöte Anderer zu erspüren und Bedürftigen zu helfen ist mir deshalb heute mindestens ebenso wichtig wie meine beruflichen Ziele.“