Chance ergriffen

 

 

Nicht mehr von der Hand in den Mund leben

Kuli – also: Lastenträger – geben viele Kinder in unseren Schulen als Beruf ihrer Eltern an. Im ländlichen Indien ist das nicht ungewöhnlich, der Begriff „Kuli“ ist – anders als im Deutschen – nicht abwertend: Viele Arbeiten werden dort von Hand erledigt und verschaffen Menschen ein Einkommen. Meist reicht das kaum zum Leben. So müssen ihre Kinder mit anpacken, sobald sie kräftig genug sind. Ihr weiterer Schulbesuch fällt dann aus – ihre Gaben und Fähigkeiten spielen keine Rolle mehr.

Armut war für die Inderin Parigapati Tejaswi (auf dem linken Bild rechts) in ihrer Kindheit das größte Problem: Eine winzige Zwei-Zimmer-Wohnung war das Zuhause für sie, zwei Geschwister und die Eltern, die als Tagelöhner arbeiteten. Sie lebten von der Hand in den Mund. Bekamen morgens beide keine Arbeit, hatten sie abends nichts zu essen. Rücklagen für schlechte Zeiten können Tagelöhner bei dem Leben nicht beiseiteschaffen.

Zu sechst in einem Raum

Pilli Babu (Bild rechts mittig) ging es ähnlich. Auch er erlebte Armut in der Familie als das größte Problem seiner Kindheit, die er mit drei Schwestern und den Eltern im Ein-Raum-Haus verbrachte. Auch seine Eltern hatten keine feste Arbeit, hofften von Tag zu Tag auf einen Arbeitgeber, der ihnen ein paar Rupien für Handlangertätigkeiten zahlen würde.

Parigapati ist heute 23 Jahre, Pilli Babu ist 31 Jahre alt. Beide haben ein sicheres Einkommen. Parigapati arbeitet als Dozentin an einer Schule mit technischem Schwerpunkt, der junge Mann ist Angestellter einer indischen Bank. Und in ihren Jobs verdienen sie so viel, dass sie noch ihre Familie unterstützen können. Beide sind verheiratet, leben mit ihren jeweiligen Partnern in viel besseren Verhältnissen als in ihrer Kindheit.

Schule als entscheidender Lebensabschnitt

Auf dem Weg dorthin war die Zeit in der Schule des wortundtat-Partners AMG ein entscheidender Abschnitt: Dank dieser Unterstützung konnten sie ihre Schullaufbahn über die Primarschule hinaus fortsetzen. Die Eltern hatten kein Geld, um Schuluniform und Lernmaterial zu bezahlen. Schon als Jugendliche hätten beide mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls als Tagelöhner mit zum Verdienst der Familie beitragen müssen. So aber hatten sie die Chance auf einen Schulbesuch, der ihren Gaben und Fähigkeiten entsprach. Im Falle von Parigapati und Pilli Babu reichen diese – wie ihre derzeitige Arbeit zeigt – für deutlich mehr als Handlangerarbeit.