Schreinerei

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„Wir konnten so viel Neues lernen“

Bernardo Mwingiras Eltern sind Kleinbauern, die sich von den Früchten ihrer Felder ernähren und nach guten Ernten vielleicht noch etwas davon auf dem Markt verkaufen. Bernardo selbst ist heute Schreiner. Dank seiner Arbeit kann man in Nandembo seit einigen Jahren einfache Möbel kaufen oder extra anfertigen lassen. Das Handwerk konnte er in KIUMA lernen.

Bernardo wuchs mit neun Geschwistern – zwei Mädchen und sieben Jungen – in dem etwa 4.500 Einwohner großen Dorf Twendembele auf. Die zehn Geschwister stammen von Bernardos Mutter und von der zweiten Frau seines Vaters. Das ist nicht ungewöhnlich für die Region, denn viele Männer im Tunduru-Distrikt sind noch heute mit mehreren Frauen verheiratet. Alle lebten sie zusammen in einer Hütte, deren Dach immerhin schon aus Wellblech war, während viele andere Hütten im Ort mit Gras gedeckt waren. Trotzdem empfand er das Leben nicht als zufriedenstellend: „Die Armut und die erbärmlichen Lebensumstände im Dorf führten auf Dauer zu Hoffnungslosigkeit. Auch konnten wir viele Dinge, die zum heutigen Leben eigentlich dazugehören, nicht bekommen.“

Kleinhändler mit Kiosk

Trotz dieser Hoffnungslosigkeit schlug Bernardo einen beruflichen Weg ein, der sich von dem der meisten Bewohner des Ortes unterschied: Statt sich – wie es in der Region mangels Alternativen üblich war – auch als Kleinbauer seinen Lebensunterhalt zu beschaffen, betrieb er Kleinhandel. Das bedeutet üblicherweise, dass man zum Beispiel Waschpulver, Seife und andere einfache Dinge des täglichen Bedarfs an einem kleinen Kiosk anbietet. Bernardo hatte nur sieben Jahre lang eine Schule besucht. Da war dieser Job praktisch das Beste, das er in dem Teil des Landes erreichen konnte. Vor gut zehn Jahren hörte er dann von KIUMA, dem wortundtat-Projekt, das rund 50 Kilometer oder anderthalb Autostunden von KIUMA entfernt liegt. Diese Strecke legen Menschen im Distrikt normalerweise nicht ohne wichtigen Grund zurück, denn kaum jemand verfügt über ein Auto oder ein anderes motorisiertes Fahrzeug. Bernardo aber machte sich auf den Weg und bekam im Alter von 24 Jahren einen Platz an der Handwerkerschule von KIUMA. Dort besuchte er zwei Jahre lang die Schreinerei und erhielt zum Abschluss ein offizielles Zertifikat.

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Zusammen mit einigen Kollegen hat Bernardo die Schreinerei in Nandembo aufgebaut.

Begegnung mit Fremden und Neuem

Die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu bekommen und die anderen Angebote für die jungen Menschen auf dem KIUMA-Gelände gefielen ihm gut. „Das Wichtigste war jedoch die Begegnung mit ganz fremden Leuten und dass wir so viel Neues lernen konnten“, erinnert er sich an die Zeit dort.

Nach Abschluss der Ausbildung setzte er das Gelernte sinnvoll ein. Zusammen mit anderen ehemaligen Auszubildenden und einigen örtlichen Schreinern ohne Ausbildung eröffnete er eine Schreinerei-Vereinigung. Jeder bringt seine Fähigkeiten in den kleinen Betrieb ein, Gewinne teilen die Mitarbeiter untereinander und Konkurrenz gibt es derzeit keine.

Ausbildung für junge Männer

Das Team bildet auch bereits neue Mitarbeiter aus. Diese können zurzeit allerdings noch kein anerkanntes Zertifikat erwerben. KIUMA plant jedoch in Nandembo den Bau eines Hoffnungszentrums. Sobald dieses fertiggestellt ist, können die Lehrlinge von Bernardo und seinen Kollegen dort ihren anerkannten Abschluss machen.

Aber das sind nicht die einzigen Zukunftspläne, die der junge Mann im Kopf hat: Wenn es ganz gut läuft mit dem Betrieb, möchte Bernardo einige Maschinen zur Holzbearbeitung anschaffen. Bisher machen die Handwerker nämlich tatsächlich noch alles von Hand. Die Maschinen aber würden nicht nur die Arbeit der Schreiner erleichtern. Sie wären ein weiterer riesiger Entwicklungsschritt für das kleine Dorf, das bisher noch praktisch ohne Maschinen auskommen muss.