Bildung macht satt

 

 

Bessere Zukunft für Schüler und Lehrer

Maisha Salum Hasani ist Schüler des ersten Jahrgangs am TTC – Teacher Training Center (Lehrerausbildungszentrum) in KIUMA. Die im Herbst 2015 neu eröffnete Bildungseinrichtung des wortundtat-Projektpartners will dem extremen Lehrermangel in Tansania aktiv entgegenwirken. Und nicht nur das. “Bildung öffnet auch mir Türen zu einem neuen, sorgenfreieren Leben. Das schönste in KIUMA sind die drei Mahlzeiten am Tag!” Das ist die Erkenntnis des 20-jährigen Lehrers kurz nach Ausbildungsbeginn.

Schlechte Chancen auf dem Land

Maisha kommt aus einem kleinen Dorf im Nanyumbu District im ländlichen Süden Tansanias. Von seinem Heimatort aus sind es bis zur Hauptstraße etwa 50 Kilometer auf sandigen Wegen – die Entfernung bis zum nächstgrößeren Ort beträgt 22 Kilometer. Maishas Vater ist Bauer und bewirtschaftet ein kleines Stück karges Ackerland, auf dem viel zu wenig Niederschlag fällt. Seine Mutter versorgt zu Hause die fünf Kinder, von denen er der Älteste ist. Der Wert von Bildung – und die damit verbundene Aussicht auf ein geregeltes und besseres Einkommen – sprach sich in jüngster Zeit allerdings sogar bis in dieses abgelegene Dorf herum, nachdem ein Junge mit einer Berufsausbildung aus KIUMA zurückgekehrt war.

Da Maisha das Lernen schon immer leicht fiel, sollte der damals 15-Jährige als Erster seiner Familie die Sekundarschule (Klasse 8-11) im nächstgrößeren Dorf besuchen.

Hunger war ständiger Begleiter

„Hunger begleitete meinen Schulalltag.” Der junge Mann erinnert sich noch gut, wie er vor fünf Jahren sein Heimatdorf verlies: „Die Eltern mieteten mir ein kleines Zimmer in einem grasgedeckten einfachen Haus. Dann wurde ich mit einem Fahrrad auf den Weg geschickt. Im Gepäck hatte ich eine kleine Dose Maismehl und Bohnen. Mehr konnten meine Eltern nicht entbehren. Diese kleine Ration sollte ich mir gut einteilen, damit sie für die langen Wochen bis zum nächsten Besuch reichte.“

Zudem nahm das langwierige Kochen viele Stunden in Anspruch. Maisha berichtet weiter: „Nach Schule und Hausaufgaben musste ich erst einmal Feuerholz sammeln und Wasser aus dem Ruvuma River holen, der ab Juni kaum noch Wasser führt. Auf dem Weg dorthin fanden sich zur Zeit der Mangoernte zum Glück manchmal ein paar Früchte an den Bäumen“. Ansonsten musste er mit einem nicht ausreichend gefüllten Magen in den Schlaf finden. Doch Maisha ist Realist: „Ein leerer Magen ist in unserem Landstrich nichts Ungewöhnliches.“

Im TTC lernen die Studenten in kleineren Klassen. In dieser Stunde erfahren sie gerade, wie sie mit problematischen Schülern umgehen oder Konflikte mit Eltern klären können.

Im TTC lernen die Studenten in kleineren Klassen. In dieser Stunde erfahren sie gerade, wie sie mit problematischen Schülern umgehen oder Konflikte mit Eltern klären können.

Erfolge, Pläne, Träume

Alle Mühen zahlten sich aus. Maisha schloss die Sekundarschule als Zweitbester seines Jahrgangs ab. Nun wollte er Lehrer werden. Und da es in KIUMA nun auch diesen Bildungsweg geben sollte, entschied er sich, dorthin zu gehen.

Sein Traum ist jetzt, die Ausbildung zum Grundschullehrer möglichst schnell abzuschließen. Als Lehrer möchte er dann die Ausbildung seiner vier Geschwister finanzieren und später parallel zur Berufstätigkeit studieren. Etwa die Hälfte der Studenten am TTC nutzen die Möglichkeit, sich dort fortbilden zu lassen, während sie bereits als Lehrer arbeiten.

Maishas hat auch eine Vision für seine fernere Zukunft: Die Regierung teilt ihm nach seiner Ausbildung zum Lehrer eine Stelle in seiner rückständigen Heimatregion zu. Sein Wunsch: „Ich möchte dort meine Schüler und Bekannten zur Freude am Lernen und zum regelmäßigem Schulbesuch motivieren!“

 

Bei einem Besuch im Projekt sprach Susanna Deichmann, stellvertretende wortundtat-Vorsitzende, mit Maisha, der gerade mit der Ausbildung am TTC begonnen hatte.