Berufswunsch Ärztin

„Eines Tages komme ich als Ärztin zurück“

Das ist Catherine Chasukas Traum: Als Ärztin im KIUMA-Hospital arbeiten. Die Schülerin ist eines der wenigen Mädchen, das im Tunduru-Distrikt die Chance hat, die Oberstufe zu besuchen. Mit dem Abschluss steht ihr bald der Weg zu einem Universitätsstudium offen.

Catherine Chasuka stand im Sommer 2014 kurz  
vor dem Abschluss an der KIUMA-Sekundarschule

Bei einer Feier auf dem KIUMA-Gelände warb die 20-jährige Catherine beherzt dafür, die Chance einer Ausbildung in KIUMA zu erkennen und zu nutzen. „Seht! Hier gibt es gleich viele Mädchen und Jungen! Das ist in den Schulen unseres Landes eine Ausnahme!“, sagte sie.

Ermutigung für Mitschüler

Gleichgültig, ob Schüler der Mittel- oder Oberstufe, Berufsschüler oder angehende Krankenschwestern oder -pfleger – hier insbesondere die Mädchen – ermutigte sie: „Gebt während der Ausbildung euer Bestes und leistet dann einen Beitrag dazu, dass sich die Lebensbedingungen gerade im Süden Tansanias positiv verändern.“

Catherine wurde 1993 in der Rukwa-Region, drei Tagesreisen westlich von KIUMA, als jüngstes von acht Kindern geboren. Alle Geschwister besuchten die Primary School des Dorfes, die dortige Grundschule, bis zum siebten Schuljahr. Die Klassen hatten 50 Schüler und mehr, die bestenfalls von zwei Lehrern unterrichtet wurden. Catherines Motivation zu Lernen hielt sich in der Zeit sehr in Grenzen. Denn sie wuchs in einem Umfeld auf, das ihr vermittelte: „Ausbildung für Mädchen ist nachrangig und nicht so ernst zu nehmen.“ So war es auch kein Zufall, dass ihre vier Brüder alle die Sekundarschule bis zur mittleren Reife besuchten, während ihre drei Schwestern nach Abschluss der siebten Klasse verheiratet wurden.

Dankbar gegenüber Eltern

Über Verwandte erfuhr sie von der Schule in KIUMA. Ihre Eltern akzeptierten ihren Wunsch, nach der siebten Klasse weiter zur Schule zu gehen. Das war nicht selbstverständlich, denn sie selbst erhielten als Jugendliche kaum Schulbildung und halten sich heute als Kleinbauern über Wasser. Doch sie haben erkannt, dass ihre traditionelle Lebensweise nicht mehr zeitgemäß ist.

Traditionelle Gewohnheiten ablegen

In Catherines persönlicher Schullaufbahn und in ihrer Entschlossenheit, mit der sie für Bildung wirbt, spiegelt sich eine Entwicklung wider, die sich auch auf Distriktebene abzeichnet: Im Jahr 2011 verfassten rund 600 politische Vertreter der Region anlässlich des 15-jährigen Bestehens von KIUMA eine Deklaration. Dort heißt es unter anderem: Wir wollen „die traditionellen Gewohnheiten ablegen, nach denen Frauen die Möglichkeit verwehrt wird, an einer sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung teilzunehmen, … damit Mädchen die gleichen Chancen für eine Ausbildung bekommen wie Jungen, anstatt bereits in jungem Alter verheiratet zu werden“.

Genau das möchte Catherine mit ihrem Schulabschluss wahrmachen. Dann möchte sie Medizin studieren und später nach KIUMA zurückkehren. Im dortigen Krankenhaus wäre sie als Ärztin herzlich willkommen und würde zudem dringend gebraucht.