… von Menschen

Land ohne Eltern

„In den Dörfern, deren Häuser meist verwitterte Eternit-Dächer aus der kommunistischen Ära tragen, fehlt die mittlere Generation. Man trifft überwiegend Kinder und Alte an, die vom Ertrag ihrer Gärten und Äcker leben, wie anno dazumal.“ – So schreibt Klaus Brill in der Süddeutschen Zeitung (2.9.2010). Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion lebten gut vier Millionen Einwohner in dem Land, das zu den wohlhabendsten Gebieten im kommunistischen Reich zählte. Heute ist das Land arm und 600.000 bis eine Million Menschen haben es verlassen. Offizielle Zahlen besagten bereits 2004, dass 25 Prozent der Erwerbsfähigen dem Land Rücken gekehrt hätten (UNICEF-Bericht/Informations-Zentrum für Kinderrechte: Die Auswirkung des elterlichen Verlusts auf die Entwicklung von Kindern, die von Migranten in Moldau zurückgelassen wurden, 2008). Ihre Hoffnung hinter dem Entschluss, Mann, Frau, Kinder oder Eltern zu verlassen: In der Fremde wollen sie Arbeit finden, Geld verdienen und damit die Angehörigen zuhause unterstützen. Doch dieser Traum hat sich längst nicht für alle erfüllt, wie Berichte in verschiedenen Medien zeigen (ZEIT online 27.6.2007 / WochenZeitung 7.6.2001: Wo Handgranaten im Kino unerwünscht sind – Moldau: Überleben im ärmsten Land Europas – online nicht mehr verügbar / Autor: Paul Flückiger, ggf. dort anfordern).

Etwa 250.000 von 800.000 Kindern wachsen mit nur einem greifbaren Elternteil oder ganz ohne Vater und Mutter auf. Finanziell mag es vielen von ihnen besser gehen als den Kindern, deren Eltern im Land geblieben sind, jedoch keine Arbeit haben. Aber: Die Folgen des Alleingelassenseins lassen sich heute oftmals nur erahnen. Im Gespräch erklärt eine fünfzehnjährige Schülerin dem Redakteur der Süddeutschen Zeitung: „Ich würde viel geben, sogar das Geld, wenn nur meine Mutter wieder da ist.“ und eine Dreizehnjährige sagt: „Geld kann nicht das ersetzen, was die Liebe von Vater und Mutter in unserem Leben darstellt.“ Klaus Brill schreibt über das vermeintlich bessere Leben der wohlhabenderen Kinder: „Es wird mit schweren psychischen Belastungen erkauft, die nicht nur die Kinder trifft. Auch für die Eltern ist das Leben in der Fremde beschwerlich, schon der Weg dorthin ist voller Hindernisse.“