Postangestellte

 

 

“Lernt und macht eure Träume wahr!”

Banavath Peeki Bai, Leiterin einer kleinen Postfiliale im ostindischen Bundesstaat Andhra Pradesh, hat einen Wunsch: Wie sie selbst sollen auch andere Kinder aus armen Familien die Chance einer guten Ausbildung erkennen und wahrnehmen  – auch wenn dies manchmal Mut kostet. Die junge Frau weiß, wovon sie spricht: Als Siebenjährige hörte sie von der AMG-Schule in Chilakaluripet und zog allein in die Großstadt.

Schlechte Chancen als Kind

Trotz Fortschritten im indischen Bildungssystem: Für Kinder aus den unteren Kasten ist der Besuch einer Schule mit gutem Ruf noch immer die Ausnahme. Benachteiligt sind vor allem Mädchen auf dem Lande. Peeki Bai erinnert sich: „Ich komme aus der Siedlung Karampudi, wo ich mit meinen Eltern und drei Geschwistern in einer strohgedeckten Hütte lebte. Wir hatten zwar Strom, aber kein fließendes Wasser.” Die Armut war bedrückend und der Alltag eintönig. Wie andere Mädchen auch half das Kind im Haushalt beim Putzen, Kochen und Wäschewaschen. In der knappen Freizeit spielte sie im Feld.

Beim Klassenbesuch berichtet die Ehemalige den heutigen Schülerinnen von ihren Erfahrungen.

Beim Klassenbesuch berichtet die Ehemalige den heutigen Schülerinnen von ihren Erfahrungen.

AMG brachte Wende

Umso glücklicher war die Familie, als sie über Nachbarn von der AMG-Schule im 75 Kilometer entfernten Chilakaluripet erfuhr. Die Einrichtung hat einen guten Ruf, steht Kindern aus armen Verhältnissen offen und bietet mit seinem angeschlossenen Internat auch Familien aus entfernten Regionen gute Rahmenbedingungen.

Für die gerade einmal Siebenjährige war es keine Frage, ob sie die Schule besuchen wollte. „Ich hatte keine Angst“, erinnert sich Peeki Bai. „Im Gegenteil – ich war dankbar für diese Chance.”

Gottvertrauen, Mut und Fleiß

Die warmherzigen Erzieher, neue Freunde und der geregelte Tagesablauf erleichterten ihr die Eingewöhnung sehr. Sicherheit schuf auch das, was sie in Schule und Freizeit über den christlichen Glauben erfuhr: „Die Geschichten aus der Bibel und über Jesus lehrten mich ein sinnvolles Leben in Nächstenliebe. Und sie zeigten, was Gottvertrauen bewirken kann.“ Ihr Mut, allein in die weit entfernte Stadt gegangen zu sein, und ihr Fleiß zahlten sich aus. Nach zehn Schuljahren beendete Peeki Bai die Sekundarschule. Und mehr noch: Mit ihrem Abschluss, der in Deutschland mit der Mittleren Reife vergleichbar ist, wurde sie Jahrgangsbeste.

Peeki Bai im Austausch mit ihrem ehemaligen Lehrer

Peeki Bai im Austausch mit ihrem ehemaligen Lehrer

Neue Saat

Die heute 22-Jährige freut sich über das bisher Erreichte: „Mein Leben hat sich grundlegend gewandelt. Dank AMG und mit Gottes Gnade führe ich in Chilakaluripet ein komfortables, gesichertes Leben.“ Als Filialleiterin koordiniert sie bei der indischen Post den Versand und die Verteilung von Briefen und Paketen.

Aber Peeki Bai will auch anderen helfen, vor allem Kindern. Jene möchte die junge Frau motivieren, es ihrgleichzutun. Dazu hält sie Kontakt zu ihrer ehemaligen Schule, wo sie sich mit den Lehrern über neue Entwicklungsmöglichkeiten austauscht (rechts im Bild) und Schülerinnen von ihren Erfahrungen berichtet (oben). Ihre wichtigste Botschaft: „Lernt und vertraut auf Gott! Dann könnt auch ihr später eure persönlichen Träume wahr werden lassen!“