Krankenschwester

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Raus aus der Kaste – Tod des Vaters eröffnete neue Chance

Korivi Pushpa Latha ist die Tochter eines Kulis – eines Tagelöhners. Er besaß kein Land, arbeitete für andere, wenn diese Arbeitskräfte brauchten, und musste ansonsten sehen, wie er seine Familie ernährte. Pushpa erwartete eigentlich das gleiche Schicksal. Dann starb 1994 der Vater.

„Als Vater uns verließ, wussten wir nicht, wie es weitergehen sollte. Meiner Mutter, meinem Bruder und mir ging es wirklich schlecht. Doch dann kam Mutter in Kontakt mit der AMG India und wir konnten weiter die Schule besuchen statt arbeiten zu müssen. Ich ging in den zwei Jahren nach Vaters Tod ans AMG-Junior College in Chilakaluripet und konnte dann eine Ausbildung als Krankenschwester machen“, sagt Pushpa.

„Nur durch Bildung schaffen die Menschen in Indien den Ausstieg aus dem indischen Kastensystem, das Menschen in festgefügte Gruppen einteilt. Diese Gruppen werden oft mit einer bestimmten beruflichen Tätigkeit in Verbindung gebracht. So werden die Kinder eines Kulis normalerweise ebenfalls Kulis – es sei denn, sie bekommen einen guten Schulabschluss und finden so den Weg aus dem Kastensystem. Dabei wollen wir gerade den ärmsten Familien hier in Indien helfen“ erklärt Arun Kumar Mohanty, Direktor der AMG.

Pushpa leitet heute die Station für Gynäkologie und Geburtshilfe in einer Privatklinik in Hyderabad. „Da verdiene ich nicht viel, aber es reicht zum Leben“, sagt sie. 165 Euro erhält sie umgerechnet monatlich. Dafür geht sie sechs bis acht Stunden täglich arbeiten, sechs Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr. Weil ihr Chef ihr ausnahmsweise freigegeben hat, konnte sie die achtstündige Busfahrt von Hyderabad nach Chilakaluripet machen und an der Schulfeier auf dem AMG-Campus teilnehmen. Wie ihr ehemaliger Schulkamerad Rama Krishna gibt auch sie einen Teil ihres Einkommens an die AMG. Pushpa: „Die AMG war da, als es uns schlecht ging. Jetzt möchte ich mich revanchieren.“