Elektrotechniker

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Im Heim für Eisenbahnkinder fand Shankar Rao neuen Halt fürs Leben und Lernen

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Es ist eine Herausforderung, die Jungen wieder in ein strukturiertes Leben zu begleiten. Disziplin und ein geregelter Tagesablauf im Heim für Eisenbahnkinder helfen dabei.

Mein Name ist Shankar Rao. Ich bin 20 Jahre alt. Ich komme aus dem kleinen Ort Srikakulam. Der liegt ganz im Norden von Andhra Pradesh. Ich habe auch noch einen Bruder. Unsere Mutter starb, als ich fünf Jahre alt war. Und als ich zwölf war, kam auch unser Vater ums Leben, als er beim Arbeiten einen elektrischen Schlag bekam. Mein Bruder und ich gingen dann zu meinem Onkel, um bei iohm zu wohnen. Von da an nahm mein Leben einen wirklich schlechten Verlauf. Mein Onkel hielt gar nichts davon, dass ich weiter zur Schule gehe. Er wollte unbedingt, dass ich als Tagelöhner arbeite und Geld verdiene. Das war sehr hart für mich. Also lief ich von ihm fort, während mein Bruder bei ihm blieb.

Ich hatte damals gar keine Vorstellung von meiner eigenen Zukunft, und ich war sehr verwirrt und ängstlich. Das waren wohl die schlimmsten Tage meines Lebens. Ich reiste in verschiedenen Zügen durchs Land und bettelte jeden an, um meinen Hunger zu stillen. Oder ich bat die Reisenden um Geld, um irgendwie über die Runden zu kommen. Manche Leute sagten mir, ich sollte dieses Leben aufgeben. Aber ich hatte doch keine Ahnung, wie ich aus der Situation rauskommen sollte.

 

Bester Schulabschluss in Chirala

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Hener Babu (li.) half dem jungen Shankar Rao, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen.

Eines schönen Morgens stieg ein Bewohner des wortundtat-Heims für Eisenbahnkinder in ‘meinen’ Zug. Er sah mich, erzählte mir von dem Heim in der kleinen Stadt Chirala und schickte mich dort hin. Ich war damals 13 Jahre alt und über 500 Kilometer weit von meinem Heimatdorf entfernt. Ein Jahr haben sich die Mitarbeiter liebevoll um mich gekümmert, obwohl ich weiter als Eisenbahnkind lebte. Dann, mit viel gutem Zureden der Mitarbeiter und mit Gottes Gnade, entschloss ich mich, einen anderen Weg einzuschlagen.

Besonders half mir Hener Babu, ein Mitarbeiter des Heims. Er war mein Beschützer und lenkte mein Leben in eine neue Richtung. Er sorgte dafür, dass ich zur Schule ging, und die Lehrer dort brachten mir bei, was gut und was schlecht ist. Mit ihrer Unterstützung beendete ich meine Schullaufbahn schließlich mit 560 von 600 möglichen Punkten. Das war das beste Ergebnis aller Schüler in Chirala. Alle haben mich gelobt. Und ein College in Chirala hat mir angeboten, zwei weitere Jahre zu lernen – kostenlos!

Nach dem Abschluss dort habe ich beim Aufnahmetest des Indian Institute of Technology (IIT) mitgemacht. (Anm. d. Red.: Jedes Jahr machen etwa 500.000 Inder diesen Test, um einen von 10.000 Studienplätzen zu bekommen.) Und ich habe tatsächlich die Aufnahme geschafft. Jetzt habe ich einen Platz am IIT in Guwahati, Assam, und studiere im dritten Jahr Elektrotechnik.