Bankangestellte

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Bildung und Sicherheit hat Priyardashini „aus Gottes Gnade“ in wortundtat-Schule erhalten

Die Mutter von Priyardashini Pallekonda hatte es nicht leicht: Drei kleine Mädchen galt es Mitte der 1980er Jahre großzuziehen. Und das in Indien, wo Mädchen meist viel geringer geachtet werden als Jungen. Da war die wortundtat-Schule eine willkommene Anlaufstelle für die christlich geprägte Familie.

Die meisten Mädchen in Indien haben nicht die Chance, eine angemessene Ausbildung zu bekommen. Für sie ist nach der Sekundarschule Schluss – sofern sie die überhaupt schaffen. Und sind sie erwachsen, bleibt ihnen nicht viel anderes, als früh zu heiraten, Kinder zu kriegen und Hausfrau zu werden. Priyardashinis Mutter aber wollte, dass die drei Schwestern im Leben mehr erreichen. Eine Privatschule konnten die Eltern von dem kleinen Einkommen des Vaters jedoch nicht finanzieren. „Wir waren auf die Unterstützung von außen angewiesen“, sagt die junge Frau, die seit dem siebten Lebensjahr verschiedene wortundtat-Einrichtungen besuchte. Mit viel Fleiß, guten Ergebnissen und großer Selbstlosigkeit hat sie es seitdem weit gebracht. Dass sie deswegen auf ihre Mutter verzichten musste, sieht Priyardashini sehr pragmatisch: „Natürlich hat mir meine Mama manchmal gefehlt. Aber ohne die Schule wären mir viele Wege versperrt geblieben. Außerdem war wortundtat für mich wie eine Mutter. Dort lernte ich, was einem sonst die leibliche Mutter beibringt.“

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Wie diese jungen Frauen besuchte auch Priyardashini das AMG College in Chiklakaluripet.

Biochemie, Banklehre und Promotion

Und dabei blieb es nicht: Nach dem Schulabschluss studierte Priyardashini Biochemie, sie arbeitete ein Jahr am wortundtat-College in Chilakaluripet als Lehrerin und parallel bereitete sie ihre Prüfung zur Bankangestellten vor. Nach dem erfolgreich abgelegten Test bekam sie im Frühjahr 2012 prompt eine Stelle bei der State Bank of Hyderabad. Diese sichere Stelle hält sie heute nicht davon ab, noch weiter zu lernen: Zurzeit schreibt sie an einer Promotion über Brustkrebs und hofft auf eine Anstellung im Krankenhaus.

„Mit 30 habe ich die Zukunft noch vor mir.“

An sich selbst denkt die junge Frau dabei kaum: „Ich habe gesehen, wie sich meine Mutter angestrengt hat, damit aus uns etwas wird. Ich möchte, dass sie im Alter glücklich ist, dass sie sich keine Sorgen machen muss und dass meine jüngeren Schwestern eine gute Ausbildung bekommen. Wenn das erledigt ist, kann ich mich um mich kümmern. Ich bin erst 30 Jahre alt und eine lange Zukunft liegt noch vor mir. Ich kann später drüber nachdenken, was dann wird. Was ich heute habe und bin, das habe ich doch nur aus Gottes Gnade und durch die Unterstützung von wortundtat.“

Diese beeindruckende Selbstlosigkeit kommt nicht nur in Priyardashinis Worten, sondern auch in ihren Taten zum Ausdruck: Von dem ersten Gehalt, das sie bei der Bank erhielt, gab sie 10.000 Rupien im wortundtat-Büro in Chilakaluripet ab. Das entspricht etwa 145 Euro – einer für indische Lebensverhältnisse hohen Spende: Das durchschnittliche monatliche Pro-Kopf-Einkommen in Indien liegt bei etwa 85 Euro und etwa zwei Drittel der indischen Bevölkerung müssen mit rund 50 Euro im Monat auskommen. Wenn in Priyardashinis Leben alles weiter so läuft wie bisher, wird sie immer ein besseres Einkommen haben.