6 bis 50

 

Lernen ohne Altersgrenze

6 50 > Sechs Jahre ist der jüngste, 50 Jahre der älteste Schüler beim Unterricht für Roma in einem Athener Vorort. Gemeinsam mit seinem griechischen Partner startete wortundtat für diese europaweit diskriminierte Volksgruppe ein eigenes Bildungsprojekt. Mit dem neuen Angebot will das Hilfswerk ,helfen, wo andere Hilfe nicht ankommt‘.  Aus diesem Grund besteht der Unterrichtsstoff für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen neben schulischen Grundlagen vor allem auch aus Regeln im zwischenmenschlichen Umgang außerhalb der Roma-Gemeinschaft.

Ausgegrenzt

Bei vielen Griechen beherrschen Vorurteile und Ängste das Bild von den Roma. Wie kaum ein andere Volksgruppe stehen sie dort wie auch im übrigen Europa unter Generalverdacht etwa bei Diebstählen, bei der Übertragung von Krankheiten und vielen anderen negativen Ereignissen, für die ein Schuldiger gesucht wird. Die meisten Roma-Familien halten sich deshalb von der übrigen Landesbevölkerung fern – und lernen so auch nicht die Grundregeln des zwischenmenschlichen Umgangs außerhalb ihrer eigenen Community. Ohne diese wiederum können ihre Kinder im herrschenden Schulsystem kaum bestehen. Die Folge: Jeder dritte erwachsene Roma kann weder lesen noch schreiben. Und nur jeder fünfundzwanzigste beschreitet einen höheren Bildungsweg.

Auch die Mitarbeiter unseres griechischen Partners waren zunächst voller Vorurteile und Ängste, als sie im Jahr 2011 eine Roma-Siedlung in ihrer direkten Nachbarschaft entdeckten. Erste neugierige Kontakte – vor allem von Seiten der Kinder – bescherten den Mitarbeitern trotz aller Unterschiede aber bald auch vertraute Verhaltensmuster: Der Hunger nach Liebe und Anerkennung ist beim Roma-Nachwuchs nämlich genauso groß wie bei anderen Altersgenossen. Und ebenso der Wissensdurst.

Bildung wird zur Brücke für Verständnis

Von diesen ersten Kontakten bis zum Entstehen eines Schulungsangebotes war ein langer Weg voller Provisorien zu beschreiten. Im September 2016 hatten es die Organisatoren geschafft. Die neue Bildungsstätte startete mit einem umfangreichen Fortbildungsangebot und eigens angemieteten Räumlichkeiten. In diesen bereiten Lehrer nun Kinder ab sechs Jahren auf den Besuch einer regulären Schule vor. Willkommen sind aber auch Jugendliche und Erwachsene, die das in ihrer Kindheit Verpasste nachholen möchten. Viele von ihnen verbinden mit diesem Schritt die Hoffnung, auch außerhalb ihrer eigenen Community endlich Anerkennung zu finden – vielleicht sogar Arbeit.

Und tatsächlich, erste Erfolge stimmen zuversichtlich. Einige Kinder und Heranwachsende schafften mittlerweile die Aufnahme an der örtlichen Regelschule. Diese Erfolge – und die mittlerweile gewachsene Wertschätzung füreinander – gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich die Lebenssituation der beteiligten Roma und ihrer Familien auf Dauer verbessern lässt.

Sie möchten mehr über unsere neues Bildungsangebot für Roma wissen? Weitere Informationen zum Projekt, zu weiteren Plänen und zur Situation dieser Volksgruppe finden Sie in unserem Magazin 2016 Ausgabe 4.

Die Projektbeteiligten und Betroffenen haben noch viel vor. Sie sind dankbar für eine